Inlandflug oder lieber doch die Deutsche Bahn nehmen?

 

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Hier finden Sie einen weiteren Beitrag zum Thema Umwelt und Fortbewegung! Zudem ein Beitrag, welcher in meinem Inneren beunruhigende Dissonanzen erzeugt. In der Summe aber ist es ein Vergleich und eine höchst subjektive Bewertung zweier sehr unterschiedlicher Personentransportsysteme!

Ende der Achtziger Jahre hat nach meiner Wahrnehmung die Deutsche Bahn, die damals noch Deutsche Bundesbahn hieß, den Kampf aufgenommen gegen den rasant sich entwickelnden Straßen- und Flugverkehr. Mit vielversprechenden Ansätzen, einem zuverlässigen System und einem modernisierten Image wurde der Schlachtruf ausgegeben "Doppelt so schnell wie ein Auto, halb so schnell wie ein Flugzeug". Es wurde eigens die Frankfurter Werbeagentur McCann beauftragt, die das Motto "Die neue Bahn" auf's Gleis brachte. Die Bundesbahn hatte schon damals den Ruf ziemlich gepfefferte Preise zu haben, aber weil sie recht pünktlich und zuverlässig war, wurde das weitgehend akzeptiert. Für diejenigen, welchen schon damals die ökologische Komponente bei der Fortbewegung wichtig war, gab es bei Fernreisen sowieso keine Alternative zur Bahn. Als weiteres Motivationsmoment wurde im Jahr 1990 der ICE in Dienst genommen, der kürzlich somit sein Dreißigjähriges feierte. Die Zukunft der Deutschen Bundesbahn schien "rosarot".

Mit der Privatisierung der Deutschen Bundesbahn sowie zugleich der Deutschen Reichsbahn der ehemaligen DDR wurde am 1. Januar 1994 ein Meilenstein gelegt, der damals viel Hoffnung machte. Man nannte sich fortan Deutsche Bahn. Rückblickend gesehen war es für mich der Tag des Beginns eines kontinuierlichen Niedergangs dieses Unternehmens, der bis heute anhält. Es begann die Zeit der Gewinnorientierung, der Personaleinsparung, der Streckenstillegungen, aber vor allem und vielleicht gerade deswegen auch die Zeit des Unzuverlässigkeitsdesasters der Deutschen Bahn wie wir sie heute kennen.

Passend dazu wurde das Fliegen immer billiger und attraktiver. Selbst Inlandsflüge waren schon am Ende der Neunziger Jahre nicht mehr nur für Geschäftsreisende erschwinglich, sondern auch für Privatreisende. Neue Airlines entstanden, und mit ihnen die Billigflieger, wie etwa Happag LLoyd Express (HLX), dem Vorläufer von TUIfly oder Eurowings. Zu Beginn der 2000-er Jahre konnte man für läppische zwanzig Euro nach fast überall in Europa fliegen. Gegen solche Preise kam die Bahn natürlich nicht an. Die Billigflieger machten aber nicht nur der Bahn, sondern sich auch gegenseitig ordentlich Konkurrenz. Die Preise fielen und die Flüge wurden wie verrückt promoted, um Rivalen aus dem Markt zu drängen.

Ich muß zugeben, ich konnte den Verführungen der Billigflieger nicht lange widerstehen, auch wenn von Beginn an bei jedem Flug das schlechte Gewissen mitflog. Für fünf Euro nach London Stansted? Kein Problem! Daß man von dort bis zum Zentrum von London rund zwanzig Pfund Sterling bei der British Rail bezahlen mußte, konnte man zähneknirschend verkraften. Mein persönlicher Höhepunkt des Billigfliegens war eine Reise nach Sardinien für sage und schreibe einen Cent. Die Rückreise kostete einen Euro. Für die Busfahrt vom Hauptbahnhof zum Flughafen waren demgegenüber acht Euro zu zahlen, was demnach also einem Gegenwert von mindestens acht Flügen von Köln nach Sardinien entsprach. Spätestens da mußte jedem klar sein, daß dieses unheilige System des Billigflugs im Innersten weder ökologisch sinnvoll noch nachhaltig sein konnte. Die Erwartungshaltung hinsichtlich der niedrigen Preise wurde aber immer abartiger, die Bahn immer frustrierter, die angeflogenen Reiseziele immer überlaufener. 

Meine Bahnfahrten der letzten Jahre waren irgendwie allesamt problematisch, ja zum Teil katastrophal. Mit Beispielen möchte ich mich hier nicht aufhalten. Diese sind sowieso nicht nachprüfbar. Außerdem werden Bahnnutzer ohnehin wissen, wie es um die Deutsche Bahn steht, ohne daß ich das noch mit hanebüchenen Anekdoten anschaulich unterfüttern muß. Jedenfalls hat mich die Deutsche Bahn in den letzten Jahren mindestens zehn Jahre meines Lebens gekostet. Gut, sagen wir fünf! In der heutigen Zeit sind ausfallende oder verspätete Züge, schlecht geschultes Personal, ausgefallene Toiletten, Klimaanlagen oder Bistro-Wagen eher die Regel denn die Ausnahme. 

Was also soll der halbwegs umweltbewußte Reisende tun?

Antwort: Gute Frage! Er hat zunächst noch die Wahl. Er kann sich dafür entscheiden, mit gutem Gewissen auf einem unkomfortablen zugigen Bahnhof auf einen Zug zu warten, der vielleicht verspätet, vielleicht aber auch gar nicht kommt. Kommt er tatsächlich doch, kann der Reisende sein Gepäck im Innern des Zuges durch enge Gänge schleifen und sich auf die Suche nach seinem zuvor reservierten und hoffentlich nicht bereits von einem Querulanten okupierten Sitzplatz machen. Gibt es keine Reservierung, ist es in der Regel noch problematischer und im Zweifelsfalle bleibt man im Gang zwischen Koffern und anderen Reisenden stehen und hofft, daß die Durchsage über den krächzenden Lautsprecher im Zug mitteilen wird, daß man den Anschlußzug noch erreichen kann, was jedoch häufig leider nicht der Fall ist. Dann kann der bestürzte Reisende natürlich einen der gestreßten Schaffner fragen, wenn zufällig einer in der Nähe ist, und es beginnt das schöne Spiel, wer von den Beiden schneller die Contenance verliert. Strandet man nachts auf einem Provinzbahnhof, weil nichts mehr geht, kann man sich ja auf den Fußboden vor die verschlossene Tür des Bahnhofs setzen und versuchen ein Nickerchen zu machen, wenn man zuvor herausgefunden hat, ob und wie man sein megateures ICE-Ticket am nächsten Morgen auf eine Regionalbahn umschreiben lassen kann.

Der Reisende kann sich umgekehrt natürlich auch dafür entscheiden, mit schlechtem Gewissen eine Flugreise zu machen. In der modern gehaltenen, gut klimatisierten Abflughalle bekommt er dann von wohlgeschultem Personal erstmal sein Gepäck abgenommen, um das er sich fürderhin nicht mehr kümmern muß. Hat er noch Zeit, kann er sich in die Lounge einer der zahlreichen Bars setzen oder ein wenig im Duty Free Shop stöbern, bis er dann über die Gangway zu jenem Sitzplatz im Flugzeug gehen kann, der ganz allein nur für ihn reserviert ist. Ist die Reise dann wie im Flug vergangen, holt der Reisende dann nur noch sein Gepäck ab und kann sich darüber freuen, für einen lächerlich kleinen Betrag ebenso schnell wie bequem an seinem Zielort angekommen zu sein. 

Sie sagen, das sei übertrieben? Dann gehören Sie vermutlich zu jener eingeschworenen Gemeinschaft der Unentwegten, die trotz schlechter Erfahrungen mit der Deutschen Bahn dennoch beharrlich an ihrem Standpunkt festhalten, daß die Bahn an sich doch eigentlich gut funktioniere. Ich sehe es anders. Und bitte verstehen Sie das als meinen ganz persönlichen Hilfeschrei. Ich möchte ja gar nicht mit schlechtem Gewissen in die Arme der Fluggesellschaften getrieben werden, weil die Deutsche Bahn in ihrem jetzigen Zustand ganz einfach keine Alternative darstellt. Vielmehr möchte ich selbst auch lieber mit dem Zug reisen, aber nicht weil ich Freude an Selbstkasteiung habe, sondern weil die umweltfreundlichen Züge eine so wunderbare Alternative zu Flugreisen sein könnten, zumal im Inland. Wer aber möchte es einem Reisenden verdenken, der sich für einen Flug entscheidet, wenn er damit schneller, preiswerter und wesentlich bequemer an sein Ziel gelangt? Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit dem Argument, man müsse ja erstmal zum Flughafen kommen, während Bahnhöfe in der Regel im Stadtzentrum liegen!

Das nun in der Bundespolitik wortreich diskutierte Streichen von Inlandflügen ist aus der Sicht der Umwelt ohne jeden Zweifel sinnvoll. Vorteilhaft für Reisende ist eine solche Maßnahme beim aktuellen Status der Deutschen Bahn nach meiner Auffassung aber eher nicht.

Kommentare

  1. Sehe es ganz ähnlich und habe in den letzten Jahren viele schlechte Erfahrungender Bahn gemacht. Die Bahn muss unbedingt attraktiver werden.

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