Zum Thema "Fridays For Future": Räuber der Zukunft

 



Foto: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg will sich nicht mit falschen Hoffnungen abspeisen lassen: „Ich möchte, dass ihr in Panik geratet“, sagte sie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (AFP / Fabrice Coffrini)

 

Diesen BLOG-Beitrag habe ich mit der Überschrift "Zum Thema "Fridays For Future: Räuber der Zukunft" versehen, weil viele Jugendliche der heutigen Zeit der Auffassung sind, die älteren Generationen hätten ihnen durch ihr rücksichtsloses Verhalten in der Vergangenheit die Zukunft auf diesem Planeten geraubt. - Zeit für ein paar Klarstellungen!

"How dare you" schleuderte Greta Thunberg vor ziemlich genau zwei Jahren auf  dem UN-Klimagipfel mit der Miene eines trotzigen Kleinkindes den anwesenden Politikern mehrfach entgegen. Eine Frage, die meines Erachtens gar nicht tiefgründig genug ausgelotet werden kann. Eine Frage aber auch, die mich mit reichlich Befremden zurückgelassen hat. Ja, wie können sie es nur wagen? Wirklich eine sehr gute Frage! - Aber so sehr man Greta Thunberg und der Bewegung "Fridays For Future" in der Sache Recht geben möchte, so sehr nervt es mich, wenn - bitte um Entschuldigung! - sechzehnjährige Naseweise nun so tun, als müßten sie den Älteren die Welt erklären und ihnen aufzeigen, wie man unsere gute alte Erde retten kann. 

Das Schlimme ist, man kann diesen Jugendlichen nicht wirklich böse sein, weil sie es dank eines an Jahren noch armen Lebens kaum besser wissen können. Sie begehen daher meiner Meinung nach eine folgenschwere Fehleinschätzung. Sie glauben, daß 83 Millionen Deutsche ihren an sich richtigen Forderungen folgen müssen. Diese 83 Milliionen sind aber keineswegs alle junge idealistische Menschen mit jugendlichen Körpern und unverbrauchten Nerven, die nur ein behütetes bourgeoises Leben kennen und darauf brennen, ihre überschüssige Energie in die Rettung der Welt zu stecken. Vielmehr sind es auch Versehrte, Gescheiterte, Kranke, Verbrauchte und Alte, für die z.B. der Verzicht auf Fahrten mit ihren altersschwachen PKW mit Verbrennungsmotoren aufgrund ihrer Situation nicht so leicht zu bewältigen ist. Offensichtlich sind die Anhänger der FFF-Bewegung nicht in der Lage, sich in deren Situation zu versetzen.

Eine weitere Fehleinschätzung der Bewegung ist eher globaler Natur. Jahrzehntelang mußten die Entwicklungsländer mit ansehen, wie die reichen Industrieländer zum persönlichen Vorteil der Einzelnen und zur eigenen Bequemlichkeit die Ressourcen der Welt ausgeplündert haben. Wieviel Elend ist den Bewohnern der reichen Industrieländer aufgrund der Ausbeutung unseres Planeten erspart geblieben? Nun, da viele aufsteigende Länder die Chance sehen es den Industrieländern gleichzutun, sehen sie sich den erhobenen Zeigefingern der Jugendlichen der FFF-Bewegung gegenüber, die ihnen ein vermeintlich angenehmeres Leben verwehren will. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Anhänger von FFF auch nur den Hauch einer Vorstellung davon haben, mit wieviel Inbrunst die Schwellenländer den Komfort und die Lebensqualität der Industrieländer anstreben, ganz gleich welche Schäden unser Planet dabei nimmt.

Zu Beginn der Achtziger Jahre befand ich mich als Heranwachsender mit meinen damaligen Altersgenossen in einer ganz ähnlichen Situation wie die Anhänger der FFF-Bewegung heute. Fassungslos nahmen wir zur Kenntnis, wie etwa der durch Abgase entstandene saure Regen unsere Wälder auffraß oder wie das bedrohlich anwachsende Ozonloch uns die Perspektive eröffnete, uns schon bald nicht mehr im Freien im Sonnenlicht aufhalten zu können. Und das sind nur Beispiele! Mitte der Achtziger Jahre kam dann noch Tschernobyl dazu und viele Jüngere glaubten seinerzeit, sie würden ihr dreißigstes Lebensjahr nicht mehr erleben. Viele hatten Zukunftsängste. Unter anderem daraus speiste sich eine neue Sammelbewegung, die nicht zuletzt im Jahr 1980 in der Gründung der Grünen mündete.

An Mahnern hat es schon damals nicht gefehlt. Bereits in den Siebziger Jahren hat ein damals recht bekannter Vorläufer der Wissenschaftsjournalisten, Hoimar von Ditfurth, u.a. im TV auf zahlreiche heraufdräuende Probleme hingewiesen, wie sie sich dann auch prompt später einstellten. Früh schon hat er Maßnahmen zum Gegenwirken angemahnt. Aber die Probleme jener Zeit brannten der damaligen Bevölkerung nicht genug auf den Nägeln. Ein allzu menschliches Phänomen! Man kann Greta Thunberg und ihren Anhängern also insoweit zustimmen, daß sie zu Recht auf Versäumnisse vergangener Generationen hinweist. Ende der Achtziger Jahre schon erschien von Greenpeace das Buch "Global Warming", in welchem schon sehr konkret die Probleme vorhergesagt wurden, die wir heute so massiv erleben. Passiert ist jedoch zu jener Zeit nicht viel, um diese Sorge frühzeitig und letztlich auch erheblich kostengünstiger einzudämmen.

Es ist also zu konstatieren, daß die Politik damals in diesem Punkt versagt hat. Im Unterschied zu heute konnten sich die Politiker jener Zeit ein solches Verhalten noch leisten, ohne negative Folgen daraus spüren zu müssen. Zwar hatte die zu Beginn der Achtziger Jahre entstandene Grüne Partei Westdeutschlands schon früh ihre Anhänger und konnte schnelle erste Erfolge erzielen. Aber von vielen wurde diese Partei, die schon damals, und noch deutlich mehr als heute, unliebsame Wahrheiten aussprach, als Partei von Verrückten und Endzeitpropheten diffamiert. Forderungen nach einem Benzinpreis von 5 DM wurden von der Bevölkerung wie von politischen Mitbewerbern erbost zurückgewiesen. Und so sehr die Grünen schon damals im Recht waren, so sehr fehlte in ihren Forderungen die Berücksichtigung sozialer Aspekte.

Wir Jugendlichen der Achtziger Jahren hatten noch kein Twitter, Facebook oder Instagram. Anders als heute war es uns nicht so einfach möglich, unsere Sorgen hinsichtlich der Zukunft der Welt in einem größeren Rahmen kundtzutun. Aber auch wir waren zum Teil schon sehr engagiert für die Umwelt. Mit zunehmendem Alter jedoch wurde mir und meiner Generation ein paar Dinge klar: Es dauert lange, bis die träge Masse der Bevölkerung in Bewegung gerät und die Warnungen wirklich ernst nimmt. Den Befürwortern schneller und effizienter Maßnahmen standen zudem immer schon auch Leugner und Verschwörungsmystiker gegenüber. Die politischen Parteien mußten diese nolens volens alle irgendwie mit vertreten. Dazu kommt eine starke soziale Komponente. Eine Gesellschaft kann nicht von heute auf morgen komplett umgekrempelt werden. 

Das Totschlagargument der heutigen Umweltszene lautet: "Das nützt alles nichts, wenn wir keinen Planeten mehr haben, auf dem wir leben können." Dem kann man kaum widersprechen, jedoch ist es ebensowenig hilfreich, auf diese Weise Panik zu erzeugen, wie es umkehrt nützt, die Probleme einfach abzutun. Sicher hat sich die Umweltsituation gegenüber den Achtziger Jahren noch zugespitzt, aber auch wir dachten damals, das Ende könne nah sein. Viel wichtiger ist es meines Erachtens, in der Bevölkerung des gesamten Planeten ein stärkeres Bewußtsein für die Problematik zu wecken. Diese Krise kann nicht lokal gelöst werden. So viel war schon vor dreißig Jahren und länger klar und viele, die heute beschuldigt werden, den nachfolgenden Generationen die Zukunft zu rauben, haben dies ihrerseits schon damals propagiert. 

Klar ist, das Problem geht uns alles an, egal ob wir noch 10, 30 oder 70 Jahre leben. Da ist es wenig hilfreich, wenn die jüngere Generation nun mit dem Finger auf die Älteren zeigt und mit Anschuldigungen gegenüber diesen daherkommt. Dadurch werden sich die Fronten nur verhärten und der Sache ist wenig gedient. Wir müssen alle zusammen unser Möglichstes tun, um vor allem die Klimaerwärmung zu verlangsamen. In Deutschland wächst das Verständnis für die Umweltsorgen merklich an. Was wir jedoch brauchen, ist eine übereinstimmende Initiative der gesamten Weltbevölkerung. Wir brauchen das energische Vorgehen der Jugendlichen von heute, aber wir brauchen auch die Erfahrung der älteren Generation und viel gegenseitige Toleranz!





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